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Pergola Baugenehmigung in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen regelt die BauO NRW (§ 62 Abs. 1 Nr. 1g BauO NRW), wann eine Baugenehmigung für Pergolen und Terrassenüberdachungen nötig ist. Hier die Fakten auf einen Blick.

Die Kernregel

30 m²

Max. Grundfläche

4.5 m

Max. Tiefe

Verfahrensfrei

Keine Genehmigung nötig

Rechtsgrundlage: § 62 Abs. 1 Nr. 1g BauO NRW

Besonderheiten in Nordrhein-Westfalen

NRW erlaubt mit 4,50 m die größte Tiefe aller Bundesländer bei verfahrensfreien Terrassenüberdachungen. Die Grenze liegt bei 30 m² Grundfläche und 4,50 m Tiefe (§ 62 Abs. 1 Nr. 1g BauO NRW). Das macht NRW besonders attraktiv für tiefe Lamellendächer, die in anderen Bundesländern genehmigungspflichtig wären.

Abstandsflächen in Nordrhein-Westfalen

§ 6 BauO NRW schreibt Abstandsflächen von 0,4 H vor, mindestens 3 m. Bei Pergolen in Kerngebieten und Gewerbegebieten kann der Abstand auf 0,25 H reduziert werden. Grenzbebauung ist nur mit Zustimmung des Nachbarn und Genehmigung des Bauamts möglich (§ 6 Abs. 8 BauO NRW).

Praxisbeispiele

1.

Lamellendach 6 m × 4 m = 24 m² mit 4 m Tiefe: In NRW verfahrensfrei (unter 30 m², unter 4,50 m Tiefe). In Bayern wäre die gleiche Konstruktion genehmigungspflichtig (Tiefe über 3 m).

2.

Freistehende Holzpergola mit Rankgitter, 40 m², kein geschlossenes Dach: Keine Überdachung im Sinne der BauO NRW und damit verfahrensfrei unabhängig von der Größe.

3.

Wintergarten (20 m²) plus angrenzende Pergola (15 m²): Werden als getrennte Vorhaben bewertet, solange sie konstruktiv unabhängig sind. Beide einzeln verfahrensfrei.

Häufige Fehler vermeiden

4,50 m Tiefe mit 4,50 m Höhe verwechselt: Die 4,50 m beziehen sich auf die Tiefe (Abstand Hauswand bis Vorderkante Dach), nicht auf die Bauhöhe.

GRZ nicht geprüft: In vielen NRW-Bebauungsplänen wird die Grundflächenzahl (GRZ) durch Pergolen und Terrassenüberdachungen als Nebenanlagen mitbelastet. Bei einer GRZ von 0,4 auf einem 500-m²-Grundstück darfst du maximal 200 m² überbauen, inklusive Haus, Garage und Pergola.

Denkmalschutz vergessen: In NRW gibt es viele Denkmalschutzbereiche (DSchG NRW). Dort brauchst du eine denkmalrechtliche Erlaubnis, auch wenn die Pergola bauordnungsrechtlich verfahrensfrei ist.

Was zählt als überdachte Fläche?

Entscheidend ist, ob die Konstruktion eine geschlossene oder weitgehend geschlossene Dachfläche hat. Eine Pergola mit offenen Querbalken oder Rankgitter gilt in der Regel nicht als Überdachung im Sinne der Bauordnung – und braucht damit auch keine Genehmigung, unabhängig von der Größe.

Sobald du ein festes Dach montierst – egal ob Glas, Polycarbonat, Lamellen oder Stoff-Bespannung – wird aus der offenen Pergola eine Terrassenüberdachung, und die Regeln der BauO NRW greifen.

Vor dem Bau prüfen

  • Grundfläche der Überdachung berechnen (Breite × Tiefe)
  • Bebauungsplan (B-Plan) beim Bauamt einsehen – kann strengere Vorgaben enthalten
  • Abstandsflächen zur Grundstücksgrenze prüfen (in der Regel mindestens 3 m)
  • Bei Denkmalschutz oder Erhaltungssatzung: separate Genehmigung nötig
  • Im Außenbereich (§ 35 BauGB): Bauvoranfrage stellen
  • Bei Grenzbebauung: Nachbarn informieren und Zustimmung dokumentieren
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Häufige Fragen

Brauche ich in Nordrhein-Westfalen eine Baugenehmigung für eine Pergola?

In Nordrhein-Westfalen sind Terrassenüberdachungen bis 30 m² Grundfläche und 4.5 m Tiefe in der Regel genehmigungsfrei. Das ergibt sich aus § 62 Abs. 1 Nr. 1g BauO NRW. Freistehende Pergolen ohne geschlossene Dachfläche können je nach Konstruktion noch lockerer gehandhabt werden. Im Einzelfall entscheidet das zuständige Bauamt.

Was passiert, wenn ich in Nordrhein-Westfalen ohne Genehmigung baue?

Wird ein genehmigungspflichtiges Bauvorhaben ohne Genehmigung errichtet, kann das Bauamt einen Baustopp verhängen und den Rückbau anordnen. Im schlimmsten Fall droht ein Bußgeld. Auch bei verfahrensfreien Vorhaben musst du die materiellen Bauvorschriften (Abstandsflächen, Bebauungsplan) einhalten – sonst kann der Nachbar klagen.

Gilt die Genehmigungsfreiheit auch für Lamellendächer in Nordrhein-Westfalen?

Lamellendächer fallen in der Regel unter die gleiche Regelung wie Terrassenüberdachungen, da sie eine feste Dachkonstruktion darstellen. Entscheidend ist die Grundfläche (bis 30 m²) und die Tiefe. Bei motorisierten Lamellendächern mit Seitenteilen kann die Einordnung anders ausfallen – hier lohnt eine Bauvoranfrage.

Wie nah darf ich an die Grundstücksgrenze bauen?

Die Abstandsflächen regelt die BauO NRW. Als Faustregel gelten in den meisten Bundesländern 3 m zur Grundstücksgrenze. Bei Grenzbebauung (z. B. Reihenhaus) gelten Sonderregelungen. Auch wenn die Pergola selbst genehmigungsfrei ist, müssen die Abstandsflächen eingehalten werden. Bei Unsicherheit: Lageplan und Bebauungsplan beim Bauamt einsehen.